Die niedergelassenen Praxen sind beim Thema Digitalisierung weiter als ihr Ruf - aber genau dort, wo es auf die Zusammenarbeit mit Krankenhäusern ankommt, bricht die digitale Kette. Der eArztbrief ist längst Standard, doch der digitale Entlassbrief bleibt die Ausnahme. Das ist kein reines Technikproblem, sondern eine Frage von Macht, Anreizen und Arbeitsorganisation.

Bevor du startest

Wer die Digitalisierung in Arztpraxen verstehen will, sollte nicht auf einzelne Geräte oder Softwarelösungen schauen, sondern auf die Schnittstellen zwischen den Akteuren. Eine Praxis kann intern noch so modern aufgestellt sein - wenn der digitale Datenfluss an der Kliniktür endet, bleibt der Alltag von Brüchen geprägt. Das PraxisBarometer Digitalisierung 2025, das das IGES Institut im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erstellt hat, zeigt genau dieses Muster: Während die Praxen selbst bei eRezept, eAU und eArztbrief hohe Nutzungszahlen erreichen, klafft bei der Kommunikation mit Krankenhäusern eine eklatante Lücke [2].

Dieser Artikel nimmt genau diese Bruchstelle in den Blick. Es geht nicht um eine weitere Lobeshymne auf die digitale Praxis, sondern um die Frage, warum ausgerechnet die wichtigste Schnittstelle - der Übergang von der Klinik in die ambulante Versorgung und zurück - so hartnäckig analog bleibt. Wer als Praxisverantwortlicher versteht, warum der digitale Entlassbrief scheitert, kann die eigenen Abläufe besser einordnen und gezielt Druck auf die richtigen Stellen aufbauen. Denn das Problem liegt nicht in der Technik, sondern in der Organisation und den Anreizen der Beteiligten.

Ein wichtiger Hinweis vorab: Die hier genannten Zahlen stammen ausschließlich aus den genannten Quellen, insbesondere dem PraxisBarometer Digitalisierung 2025. Sie beschreiben den Stand aus dem Jahr 2025 und können sich durch neue Erhebungen - etwa das für 2026 angekündigte neunte PraxisBarometer [9] - weiterentwickeln. Für die eigene Praxisplanung heißt das: Die Richtung stimmt, aber die Dynamik ist hoch.

Schritt 1: Den eigenen Digitalisierungsgrad ehrlich erfassen

Bevor man die Klinikkommunikation verbessern kann, muss man wissen, wo die eigene Praxis wirklich steht. Das klingt banal, ist aber in der Praxis erstaunlich schwer. Viele Praxen schätzen sich selbst als digital fortschrittlich ein, weil sie das eRezept nutzen und die eAU elektronisch übermitteln. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille.

Die Daten des PraxisBarometer zeigen: 87 Prozent der Praxen nutzen den elektronischen Arztbrief regelmäßig - 2018 waren es lediglich 13 Prozent [2][3]. Das ist ein enormer Sprung. Gleichzeitig kommuniziert nur etwas mehr als die Hälfte der Praxen überwiegend digital mit Patientinnen und Patienten [2]. Und im Kontakt mit anderen Praxen sieht es noch einmal anders aus: Nur 23 Prozent der Praxen geben an, komplett oder mehrheitlich digital mit anderen Praxen zu kommunizieren [6].

Diese Zahlen zeigen ein differenziertes Bild: Die Praxis ist nicht einfach digital oder analog. Sie ist digital in bestimmten Bereichen und analog in anderen. Genau diese Differenzierung ist der erste Schritt zu einer realistischen Standortbestimmung. Ein Beispiel: Eine Hausarztpraxis, die das eRezept zuverlässig nutzt, aber bei der Überweisung an Facharztkollegen noch auf Papier setzt, hat ein internes Inkonsistenzproblem. Die Infrastruktur ist da, aber die Arbeitsabläufe sind es nicht.

Die ehrliche Bestandsaufnahme sollte daher nicht bei der Frage enden, welche Software installiert ist, sondern welche Prozesse tatsächlich digital laufen. Dazu gehört auch die Frage, wie oft das Faxgerät noch genutzt wird. Viele Praxen halten es aus Gewohnheit oder wegen der Kliniken vor. Wer den eigenen Digitalisierungsgrad erfassen will, sollte eine Woche lang protokollieren, welche Kommunikationswege tatsächlich genutzt werden - analog und digital. Oft zeigt sich dann, dass das Faxgerät häufiger läuft, als man denkt.

Die Stolperfalle bei diesem Schritt ist die Selbsttäuschung. Wer sich selbst als digital fortschrittlich bezeichnet, nur weil die Praxis eine moderne Oberfläche hat, übersieht die Brüche im Alltag. Umgekehrt unterschätzen sich viele Praxen, weil sie die stillen digitalen Prozesse - etwa die automatische Abrechnung - nicht als Digitalisierung wahrnehmen. Die Wahrheit liegt dazwischen.

Schritt 2: Die Klinikschnittstelle als eigenständiges Problem erkennen

Der größte blinde Fleck der Praxisdigitalisierung ist nicht die Praxis selbst, sondern die Schnittstelle zu den Krankenhäusern. Das PraxisBarometer zeigt das mit bemerkenswerter Klarheit: Nur 12 Prozent der Praxen kommunizieren überwiegend digital mit Kliniken [2][3].

Besonders deutlich wird das Problem beim Entlassbrief. Hier sehen 85 Prozent der Praxen einen hohen Nutzen in der digitalen Übermittlung, aber nur 15 Prozent erhalten den Entlassbrief tatsächlich digital [2][3]. Diese Kluft zwischen Erwartung und Realität ist kein Randphänomen, sondern betrifft den Kern der Versorgungskontinuität. Der Entlassbrief ist das zentrale Dokument für die Weiterbehandlung nach einem Krankenhausaufenthalt. Wenn er analog kommt, bedeutet das für die Praxis: Scannen, Abtippen, manuelle Übertragung in die Patientenakte - und das bei jedem einzelnen Fall.

Die KBV-Vorständin Sibylle Steiner bringt es auf den Punkt: „Während die Praxen längst digital kommunizieren, sind Krankenhäuser noch viel zu oft im Papierzeitalter verhaftet“ [2][3]. Das ist keine Übertreibung, sondern beschreibt den Alltag vieler Praxen. Sie arbeiten intern digital, müssen aber für die Kommunikation mit Kliniken immer wieder zum Faxgerät greifen [3].

Warum ist das so? Die Gründe sind vielfältig. Krankenhäuser haben andere IT-Strukturen, andere Anreize und oft auch andere Prioritäten als niedergelassene Praxen. Die Klinik-IT ist historisch gewachsen und stark auf interne Abläufe ausgerichtet - von der Patientenverwaltung bis zur Abrechnung. Die externe Kommunikation mit den einweisenden und weiterbehandelnden Praxen war dabei lange Zeit ein Nebenschauplatz. Hinzu kommt: Im Krankenhaus ist der Entlassbrief oft nicht die oberste Priorität, wenn Betten knapp und die Personaldecke dünn sind. Die digitale Übermittlung erfordert aber eine saubere Datenhaltung und funktionierende Schnittstellen - beides ist in Kliniken nicht selbstverständlich.

Für die Praxis bedeutet das: Die Klinikschnittstelle ist kein IT-Problem, das man mit einer Software-Updates lösen kann. Es ist ein organisatorisches und politisches Problem. Die Praxis kann ihre eigene Seite gestalten, aber nicht die der Klinik. Genau diese Einsicht ist der zweite Schritt: Die Erkenntnis, dass man es mit einem externen Engpass zu tun hat, den man nicht allein durch eigene Anstrengung beseitigen kann.

Schritt 3: Den eigenen Arbeitsaufwand durch analoge Schnittstellen sichtbar machen

Ein zentrales Problem der analogen Klinikkommunikation ist ihre Unsichtbarkeit im Praxisalltag. Ein eingehender Papierbrief wird gescannt, abgelegt, vielleicht abgetippt - aber niemand dokumentiert, wie viel Zeit dieser Vorgang kostet. Genau diese Unsichtbarkeit verhindert, dass das Problem ernst genommen wird.

Der Digital Health Report 2026 liefert einen wichtigen Kontext: 64 Prozent der Patienten haben schon einmal auf einen Arzttermin verzichtet, weil die Suche nach einer Praxis oder einem Termin zu schwierig war [4]. Das zeigt, wie sensibel Patienten auf Reibungsverluste reagieren. Aber auch die Praxen selbst spüren die Belastung. Die Burnout-Raten unter europäischen Fachkräften im Gesundheitswesen erreichen in der Akutversorgung bis zu 50 Prozent [4]. Jede unnötige manuelle Tätigkeit - das Abtippen eines Entlassbriefs, das Faxen einer Anfrage, das Nachtelefonieren wegen fehlender Befunde - trägt zu dieser Belastung bei.

Der dritte Schritt besteht darin, diese versteckten Kosten sichtbar zu machen. Das geht nicht über große Studien, sondern über die einfache Beobachtung im Praxisalltag. Eine Praxis könnte eine Woche lang erfassen, wie oft ein Mitarbeiter einen analogen Entlassbrief bearbeitet und wie lange das dauert. Die Ergebnisse sind oft ernüchternd: Was man als „kurzes Scannen“ abtut, entpuppt sich als Kette von Einzelschritten - Öffnen, Sortieren, Scannen, Datei benennen, im System ablegen, vielleicht noch die Medikationsliste abgleichen.

Die Kunst besteht darin, diese Aufwände nicht als Einzelfälle zu betrachten, sondern als System. Jeder einzelne analoge Brief ist erträglich. Die Summe über ein Jahr macht den Unterschied zwischen einer entspannten und einer überlasteten Praxis. Wer diese Summe kennt, hat Argumente - gegenüber dem eigenen Team, aber auch gegenüber Kliniken und Politik.

Ein konkretes Beispiel: Eine Praxis, die regelmäßig Patienten nach einem Klinikaufenthalt weiterbehandelt, erhält pro Woche eine Handvoll Entlassbriefe. Die Bearbeitung dauert jeweils eine gewisse Zeit - vom Öffnen bis zur Ablage in der Akte. Über das Jahr summiert sich das zu einem erheblichen Arbeitsvolumen. Und das ist nur der sichtbare Teil. Hinzu kommt die Fehleranfälligkeit: Wer manuell überträgt, kann sich vertippen, kann Medikamente falsch übernehmen, kann Befunde übersehen.

Schritt 4: Die eigene Praxis auf die digitale Klinikkommunikation vorbereiten

Auch wenn die Kliniken der Engpass sind, kann die Praxis ihre eigene Seite optimieren. Der vierte Schritt besteht darin, die internen Abläufe so zu gestalten, dass sie für eine digitale Kommunikation bereit sind - auch wenn der Partner noch analog funktioniert.

Das bedeutet konkret: Die Praxis sollte ihre eigenen Prozesse nicht auf das Faxgerät ausrichten, sondern auf digitale Standards. Ein Beispiel ist die Eingangspost: Wer eingehende Briefe konsequent scannt und digital ablegt, hat später weniger Umstellungsschwierigkeiten, wenn die Kliniken endlich digital liefern. Wer dagegen weiterhin Papierordner führt, muss doppelt arbeiten - einmal analog, einmal digital.

Die Praxis sollte auch ihre eigenen Ausgänge digitalisieren. Der eArztbrief ist mit 87 Prozent Nutzung bereits weit verbreitet [2][3]. Aber die Frage ist, ob die Praxis ihn auch dann nutzt, wenn der Empfänger noch analog arbeitet. Hier zeigt sich die eigentliche Haltung: Geht es um die eigene Bequemlichkeit oder um die Sache? Eine Praxis, die konsequent digital kommuniziert, auch wenn der Empfänger Fax bevorzugt, setzt ein Zeichen - und spart sich langfristig Arbeit.

Ein weiterer Aspekt ist die Vorbereitung des Teams. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten wissen, wie digitale Dokumente verarbeitet werden, wo sie abgelegt werden und wie sie im Zweifel wiederzufinden sind. Die Schulung des Praxisteams ist oft der wichtigste Hebel - denn die beste Software nützt nichts, wenn die Anwender sie nicht beherrschen.

Der Digital Health Report 2026 zeigt, dass die Digitalisierung nicht nur die Praxen selbst betrifft, sondern auch die Erwartungen der Patienten. 64 Prozent der Patienten haben schon einmal auf einen Termin verzichtet, weil die Suche zu schwierig war [4]. Diese Erwartungshaltung überträgt sich auch auf die Kommunikation: Patienten erwarten, dass ihre Befunde und Briefe schnell und zuverlässig übermittelt werden. Eine Praxis, die hier mit den Kliniken hadert, kann das nicht nach außen zeigen - aber intern sollte sie die Weichen stellen.

Schritt 5: Die richtigen Fragen an die Kliniken stellen

Die Praxis kann die Kliniken nicht zwingen, digital zu kommunizieren. Aber sie kann die richtigen Fragen stellen und damit Druck aufbauen. Der fünfte Schritt besteht darin, das Gespräch mit den lokalen Krankenhäusern zu suchen - nicht als Bittsteller, sondern als Partner.

Die Fragen sollten konkret sein: Warum erhalten wir Entlassbriefe nicht digital? Welche technischen Voraussetzungen fehlen? Gibt es eine Roadmap für die digitale Kommunikation? Wer ist in der Klinik für dieses Thema zuständig? Oft zeigt sich, dass die Kliniken selbst unter dem Problem leiden - aber die Zuständigkeit unklar ist.

Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die KBV, die das PraxisBarometer in Auftrag gegeben hat und die Kritik an den Kliniken öffentlich formuliert [2][3]. Die Praxis kann diese öffentliche Diskussion nutzen, um das Thema bei den lokalen Kliniken zu platzieren. Wer auf die Zahlen verweist - 85 Prozent sehen den Nutzen, aber nur 15 Prozent erhalten den Brief digital [2][3] -, hat eine starke Argumentationsgrundlage.

Es geht nicht darum, die Kliniken vorzuführen, sondern darum, das gemeinsame Problem zu lösen. Die Praxis kann anbieten, Pilotprojekte zu unterstützen, Testphasen zu begleiten oder Feedback zu geben. Oft scheitert die digitale Kommunikation nicht am Willen, sondern an der Umsetzung: Es fehlen Schnittstellen, Testumgebungen oder schlicht die Zeit, sich damit zu beschäftigen.

Die Praxis sollte auch die eigene Rolle reflektieren: Ist sie selbst bereit, digitale Entlassbriefe zu verarbeiten? Hat sie die nötige Software? Kann das Team mit digitalen Dokumenten arbeiten? Wenn die Praxis selbst noch nicht bereit ist, sollte sie zuerst die eigenen Hausaufgaben machen, bevor sie die Kliniken kritisiert.

Schritt 6: Die Telematikinfrastruktur als Rahmen verstehen

Die digitale Kommunikation im Gesundheitswesen findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern innerhalb der Telematikinfrastruktur (TI). Die gematik veröffentlicht mit dem TI-Atlas einen umfassenden Überblick zum Stand der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens [7]. Für die Praxis ist es wichtig, diesen Rahmen zu verstehen - nicht im technischen Detail, aber in den Grundzügen.

Die TI ist die technische Basis für eRezept, eAU und eArztbrief. Sie ist in den Praxen weitgehend etabliert - die hohen Nutzungszahlen beim eArztbrief belegen das [2][3]. Aber die TI ist kein Selbstläufer. Sie muss gepflegt, aktualisiert und weiterentwickelt werden. Die gematik arbeitet daran, aber die Umsetzung in den Praxen und Kliniken bleibt eine Daueraufgabe.

Für die Praxis bedeutet das: Sie sollte sich nicht auf den aktuellen Stand verlassen, sondern die Entwicklungen verfolgen. Das PraxisBarometer 2026 wird bereits zum neunten Mal erhoben [9] - ein Zeichen dafür, dass die KBV das Thema kontinuierlich beobachtet. Auch der TI-Atlas der gematik bietet regelmäßig aktuelle Daten [7]. Wer diese Quellen verfolgt, ist informiert und kann Veränderungen früh erkennen.

Die Praxis sollte auch verstehen, dass die TI nicht nur ein technisches, sondern auch ein politisches Projekt ist. Die Einführung von eRezept und eAU war nicht nur eine technische Umstellung, sondern auch ein kultureller Wandel. Ähnliches steht bei der Klinikkommunikation bevor - nur dass hier die Kliniken der langsamere Partner sind.

Ein wichtiger Aspekt ist die elektronische Patientenakte (ePA). Das PraxisBarometer zeigt eine gemischte Resonanz: Einzelne Funktionen wie die Medikationsliste werden positiv bewertet, aber viele Praxen beklagen hohen Aufwand und technische Probleme [2]. Die ePA ist ein Langzeitprojekt - sie wird die Kommunikation verändern, aber nicht von heute auf morgen.

Schritt 7: Die eigene Haltung zur Digitalisierung überprüfen

Die Digitalisierung ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch der Haltung. Das PraxisBarometer zeigt, dass die Zufriedenheit mit eAU (78 Prozent) und eRezept (77 Prozent) deutlich gestiegen ist [2][3]. Das ist ein wichtiges Signal: Wenn die Anwendungen zuverlässig laufen, steigt die Akzeptanz spürbar [3].

Diese Erkenntnis lässt sich verallgemeinern: Der Widerstand gegen Digitalisierung ist oft kein prinzipieller, sondern ein pragmatischer. Wer schlechte Erfahrungen mit einer Anwendung gemacht hat, lehnt sie ab - nicht weil sie digital ist, sondern weil sie nicht funktioniert. Umgekehrt gilt: Wer gute Erfahrungen macht, wird zum Fürsprecher.

Die Praxis sollte diese Dynamik nutzen. Statt über Digitalisierung im Allgemeinen zu diskutieren, sollte sie über konkrete Anwendungen sprechen. Das eRezept hat den Alltag vieler Praxen erleichtert - das zeigt die hohe Zufriedenheit [2][3]. Ähnliche Erfolge sind bei der Klinikkommunikation möglich, wenn die Technik endlich zuverlässig läuft.

Ein weiterer Aspekt ist die Rolle der Vorreiter. Die Daten zeigen, dass spezialisierte Arztpraxen häufiger digital mit anderen Praxen kommunizieren - etwas mehr als ein Drittel [6]. Diese Praxen können als Vorbild dienen. Sie zeigen, dass die digitale Kommunikation funktioniert, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Die Praxis sollte sich fragen: Sind wir Vorreiter oder Nachzügler? Beides ist legitim - aber die Antwort sollte bewusst sein. Wer sich als Vorreiter sieht, sollte die eigenen Prozesse kritisch hinterfragen. Wer sich als Nachzügler sieht, sollte die Chancen der Digitalisierung nicht unterschätzen.

Schritt 8: Konkrete Verbesserungen im Praxisalltag umsetzen

Der achte Schritt besteht darin, die Erkenntnisse in konkrete Verbesserungen umzusetzen. Das muss nicht spektakulär sein - oft sind es kleine Änderungen, die den Alltag erleichtern.

Ein Beispiel: Die Praxis könnte einen festen Ansprechpartner für die Klinikkommunikation benennen. Diese Person ist verantwortlich für eingehende und ausgehende Briefe, verfolgt offene Anfragen und hält den Kontakt zu den Kliniken. Das schafft Verantwortlichkeit und entlastet das gesamte Team.

Ein weiteres Beispiel: Die Praxis könnte ihre eigenen Ausgangsbriefe standardisieren. Ein einheitliches Format erleichtert die Verarbeitung - sowohl intern als auch extern. Das gilt für den eArztbrief ebenso wie für den klassischen Brief.

Die Praxis sollte auch ihre digitalen Kompetenzen ausbauen. Das PraxisBarometer zeigt, dass die Digitalisierung in den Praxen voranschreitet [2][3]. Aber die Geschwindigkeit variiert stark. Wer aufholen will, sollte gezielt in Schulungen investieren - nicht nur für die Ärzte, sondern auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Empfang.

Ein wichtiger Hebel ist die Zusammenarbeit mit anderen Praxen. Die Daten zeigen, dass 23 Prozent der Praxen komplett oder mehrheitlich digital mit anderen Praxen kommunizieren [6]. Diese Zahl ist deutlich gestiegen - aber sie bedeutet auch, dass drei Viertel der Praxen noch Nachholbedarf haben. Wer sich mit anderen Praxen vernetzt, kann Erfahrungen austauschen und gemeinsame Lösungen entwickeln.

Schritt 9: Die Entwicklung aktiv verfolgen und sich anpassen

Die Digitalisierung ist kein Projekt mit einem Ende, sondern ein Prozess. Das PraxisBarometer wird jährlich erhoben [9] - ein Zeichen dafür, dass sich die Lage ständig ändert. Die Praxis sollte diese Entwicklung aktiv verfolgen und sich anpassen.

Das bedeutet konkret: Regelmäßig die aktuellen Zahlen prüfen, die eigenen Prozesse hinterfragen und neue Anwendungen testen. Die Zufriedenheit mit eAU und eRezept ist auf fast 80 Prozent gestiegen [5] - das zeigt, dass sich Investitionen in digitale Anwendungen lohnen. Aber es gibt auch Rückschläge - etwa bei der ePA, wo viele Praxen hohen Aufwand und technische Probleme beklagen [2].

Die Praxis sollte auch die politische Entwicklung verfolgen. Die KBV hat mit dem PraxisBarometer ein wichtiges Instrument geschaffen, um den Stand der Digitalisierung zu messen und öffentlich zu machen [2][3][9]. Diese Transparenz hilft, Probleme zu benennen und Lösungen einzufordern.

Ein wichtiger Punkt ist die Geduld. Die digitale Transformation des Gesundheitswesens dauert - und sie verläuft nicht linear. Es gibt Fortschritte und Rückschläge. Die Praxis, die langfristig denkt und ihre Prozesse kontinuierlich verbessert, wird am Ende profitieren.

Häufige Fehler

Ein häufiger Fehler ist die Gleichsetzung von Digitalisierung mit Technik. Wer glaubt, dass die Installation einer Software das Problem löst, übersieht die organisatorischen und kulturellen Aspekte. Die Digitalisierung scheitert selten an der Technik, sondern an den Menschen und Prozessen.

Ein zweiter Fehler ist die Fixierung auf die eigene Praxis. Wer nur die eigenen Prozesse betrachtet, übersieht die Schnittstellen zu anderen Akteuren. Die Klinikkommunikation ist ein Paradebeispiel: Die Praxis kann noch so digital sein - wenn die Klinik nicht mitzieht, bleibt die Kette gebrochen.

Ein dritter Fehler ist die Resignation. Angesichts der Klinikprobleme - nur 12 Prozent der Praxen kommunizieren überwiegend digital mit Kliniken [2][3] - reagieren viele Praxen mit Schulterzucken. Dabei gibt es Handlungsspielräume: Die eigene Praxis kann sich vorbereiten, die richtigen Fragen stellen und Druck aufbauen.

Ein vierter Fehler ist die Überforderung. Wer versucht, alles auf einmal zu digitalisieren, scheitert oft an der Komplexität. Besser ist ein schrittweises Vorgehen: erst die eigenen Prozesse stabilisieren, dann die Schnittstellen angehen.

Nächste Schritte

Die nächsten Schritte sind konkret und umsetzbar. Erstens: Die eigene Praxis ehrlich analysieren - wo laufen Prozesse analog, wo digital? Zweitens: Die Klinikschnittstelle als eigenständiges Problem anerkennen und die richtigen Fragen an die lokalen Krankenhäuser stellen. Drittens: Die eigenen Prozesse so gestalten, dass sie für die digitale Kommunikation bereit sind - auch wenn der Partner noch analog funktioniert.

Die Daten des PraxisBarometer zeigen, dass die Praxen die Digitalisierung vorantreiben - aber die Kliniken hinken hinterher [3]. Diese Diskrepanz ist kein Grund zur Resignation, sondern eine Aufforderung, die eigenen Hausaufgaben zu machen und die richtigen Forderungen zu stellen. Die Digitalisierung wird kommen - die Frage ist nur, ob die Praxis vorbereitet ist.